Samen Aussaat - Tips & Tricks

  1. Grundsätzliches zur Aussaat
  2. Aussaaterde
  3. Aussaat-Klima
  4. Direktsaat
  5. Keimung
  6. Pikieren
  7. Sämlinge Abhärten
  8. Spezialbehandlungen
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Grundsätzliches

Die meisten Samen keimen unproblematisch auch ohne "Spezialbehandlung". Die Samen müssen von evtl. vorhandenen Fruchtresten gereinigt werden, da diese schimmeln könnten. Die Saat wird in der Regel mit der 1-2 fachen Dicke des Samen mit Erde bedeckt. Sehr feine Samen werden nur aufgestreut und evtl. angedrückt. Das ganze wird feucht gehalten. Einige Samen verlangen jedoch spezielle Bedingungen zum Keimen.
Grundsätzlich kann unterschieden werden zwischen Direktsaat in den Garten oder Anzucht im Haus, b.z.W. Gewächshaus. Vorgezogen Pflanzen werden später in den Garten gepflanzt oder in Töpfen gehalten.
Die meisten Samen benötigen ausreichend Wärme zur Keimung. Bei manchen Arten ist jedoch auch eine Kälte-Phase zur erfolgreichen Keimung erforderlich (Stratifizierung)

Aussaaterde

Als Substrat für die Aussaat wird meistens Aussaaterde verwendet, aber auch Mischungen aus Sand oder anderen mineralischen Bestandteilen haben ihre Vorzüge. Für tropische Arten ideal ist Kakteenerde oder zerstossenes Hydrokultursubstrat wie Perlit, "Vermiculit" oder "Seramis". Ein hoher mineralischer Anteil und weniger organische Bestandteile haben viele Vorteile. Es entsteht nicht so schnell Staunässe und somit haben Fäulnis und Schimmel weniger Chancen sich auszubreiten. Vor allem bei Saatgut mit sehr langer Keimdauer sollten Mineralische Substrate wie z.B. Sand gewählt werden.
Für viele Tropensamen muss die Erde möglichst keimfrei sein. Gekaufte Ware ist dies meistens schon. Im Zweifelsfall im Backofen oder in der Mikrowelle sterilisieren.
Die Erde sollte feucht aber nicht nass sein! Sie darf sich nicht mit den Händen zu einem klebenden Klumpen formen lassen sondern muss krümeln. Einer der häufigsten Fehler ist übernasse Erde!

Aussaat-Klima

Die meisten Pflanzensamen brauch ein feuchtwarmes Klima zum Keimen. Um das zu gewährleisten kann man die Töpfe mit Folie abdecken oder ein Minigewächshaus verwenden. Von unschätzbarem Wert ist eine Bodenheizung. Hierfür gibt es beheizte Gewächshäuschen oder Heizmatten wie sie auch zur Stecklingvermehrung benutzt werden. Die ideale Bodentemperatur beträgt meistens 22-24 °C. Manche tropische Arten benötigen auch höhere Temperaturen um 30°C. Ein Minigewächshaus hat auch den Vorteil, dass kaum Wasser verdunstet und man nicht giessen braucht. Allerdings muss täglich gelüftet werden, um Schimmelbefall vorzubeugen. Es gibt auch pilzhemmende und keimungsfördernde Präparate, die jedoch giftig sind. Das Licht sollte hell aber nicht brennend sein. Bei sehr früher Aussaat kann eine Pflanzenlampe hilfreich sein, ideal ist hier eine einfache Leuchtstoffröhre in Tageslicht-Weiß. Wenn das Minigewächshaus auf der Fensterbank steht kann ein einfacher Reflektor aus Alufolie Ausnutzung der Sonneneinstrahlung optimieren.
Ein guter Ort für die Aussaat ist auch das Gewächshaus im Garten.

Direktsaat

Viele, oder sogar die meisten Gemüsearten werden direkt in das Gartenbeet oder Feld gesät. Wichtig ist die richtige Vorbereitung des Bodens. Er sollte locker sein aber auch noch genug Festigkeit aufweisen um den Kontakt mit der tieferliegenden, wasserführende Schicht anzuschließen. Manchmal wird die Aussaat zusätzlich mit einer Schicht aus Reisig oder Stroh abgedeckt.

Keimung

Fast alle Samen durchlaufen nach ihrer Reife zunächst eine Samenruhe, die sogenannte Dormanz bevor die Keimung erfolgen kann. Dies dient dazu, die Keimung bereits an der Mutterpflanze zu verhindern und die Keimung unter ungünstigen Bdingungen wie z.B. dem Winter zu vermeiden. Unter der Keimdauer im näheren Sinn versteht man die Zeit von Aussaat bis Keimung. Diese kann 2 Tage oder auch bis zu 90 Wochen (!) betragen. Die meisten Samen keimen jedoch recht schnell. Allerdings gibt es einige Gehölze und Palmen die Jahre in der Erde liegen bis die Saat aufläuft.

Pikieren

Nachdem die Sämereien zur Keimung gebracht wurden müssen die Sämlinge umgepflanzt werden. Dies geschieht meistens, nachdem sich 2-3 echte Blattpaare gebildet haben. Dabei versenkt man sie etwas tiefer in der Erde. Profis benutzen dazu ein spezielles Werkzeug, das Pikierholz. Damit wird ein kleines Pflanzloch in die Erde gebracht und nach dem Einpflanzen leicht angedrückt. Um die Wurzelbildung zu stimulieren ist es besser seltener reichlich als oft wenig zu gießen.

Sämlinge Abhärten

Viele Sämlinge sind zunächst sehr empfindlich gegen trockene Luft, Temperaturschwankungen und Sonnenlicht. Daher müssen sie behutsam daran gewöhnt werden (Abhärten).
Wenn die Sämlinge in einem Minigewächshaus stehen müsse diese langsam von der hohen Luftfeuchtigkeit and ein trockeneres Klima gewöhnt werden. Pflanzen die in den Garten ausgepflanzt werden sollen können zunächst Tagsüber rausgestellt und Nachts wieder reingehlt werden. Wenn der "Transplantationsschock" so gering wie möglich gehalten wird wachsen die Pflänzchen wesentlich schneller an.

Spezialbehandlungen

Mechanische Samenbehandlung

Besonders dickschalige Samen können vorsichtig angefeilt werden, um die Wasseraufnahme zu verbessern (aber nicht durchfeilen!). Kleinere Samen können vorsichtig zwischen feinem Schleifpapier gerieben werden.

Saatgut Beizen

Unter "Beizen" versteht man das Einlegen von Saatgut in einer Flüssigkeit, was eine keimfördernde Wirkung haben kann. Es gibt viele Geheimrezept und Theorien. Verbreitet ist das Beizen mit antibakteriellen Lösungen um Fäulnis zu vermeiden. Wer biologisch gärtnert verwenden z.B. verdünnte Extrakte aus Schachtelhalm, Kamille oder Baldrian. Bei Getreide haben sich Beizen aus verdünntem Salzwasser als wirksam erwiesen. Bei einigen Arten hilft kurzes (höchstens 1 Minute) Einlegen in Alkohol und anschließend gut abspülen. Dadurch werden keimhemmende Faktoren beseitigt (bei "schwierigen" Samen oft sehr effektiv).

Samen Pillieren

Das Pillieren ist eigentlich ein "intensiv-landwirtschaftliches Verfahren". Dabei wird das Samenkorn mit einer Hülle umgeben. Dieser Überzug kann antibakterielle Stoffe enthalte, Nährstoffe und sogar keimfördernde Hormone. Interessant ist in diesem Zusammenhang die von Fukuoka entwickelte Pillierung mit Tonerde. Bei diesem natürlichen Verfahren werden die Samenkörner mit getrockneter gemahlener Tonerde in einer Schüssel geschwenkt und gleichzeitig wird Wasser mit einem darüber zerstäubt. Es erfordert ein wenig Geschick aber so entsteht ein dünner Tonüberzug. Die Kügelchen werden anschließend zum trocknen ausgelegt. Durch die Oberfläche des Tons wird die Wasseraufnahme optimiert und der Samen vor Fressfeinden geschützt. Fukuoka streut diese Körner sogar direkt auf das Feld ohne sie mit Erde abzudecken.

Stratifizierung

Viele an das mitteleuropäische Klima angepasste Arten verlangen niedrigere Temperaturen zum Keimen (sog. Stratifizieren). In der Natur hat das den "Zweck", daß die Samen erst nach dem Winter keimen. Sogar die selbe Art kann je nach Herkunft ein unterschiedliches Keimverhalten aufweisen. Während der Kälteperiode laufen im Samenkorn komplexe biochemische Prozesse ab und es werden Keim-auslösende Substanzen gebildet. weitere Infos zu Aussaat von Kaltkeimern